Führung braucht wieder Richtung: Warum Kommunikation in unsicheren Zeiten zum Wettbewerbsvorteil wird

Was gerade bei Volkswagen passiert, ist kein Volkswagen-Problem.

Es ist ein Führungsproblem, das viele Unternehmen kennen.

Bei Volkswagen kritisieren Beschäftigte derzeit die Kommunikation des Vorstands. Mitarbeiter und ihre Familien seien durch die öffentliche Kommunikation „verunsichert und verängstigt“, ergab eine Befragung des Konzernbetriebsrats. CEO Oliver Blume hält dagegen: Man informiere kontinuierlich über interne Kanäle und im persönlichen Dialog.

Heute stellte sich Blume in Wolfsburg mehr als 10.000 Beschäftigten. Die Reaktion zeigt, wie tief das Problem inzwischen reicht: Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärte, das Vertrauen in den Vorstand sei beschädigt. (Wie Reuters berichtet)

Dabei steckt für mich eine wichtige Erkenntnis in diesem Konflikt:

Information ist noch keine Kommunikation und Kommunikation ist noch keine Führung!

Ich habe selbst erlebt, was in Organisationen passiert, wenn Entscheidungen getroffen, aber nicht ausreichend erklärt und eingeordnet werden.

Es entsteht ein Vakuum.

Und dieses Vakuum bleibt nicht lange leer. Es füllt sich mit Vermutungen, Flurfunk, Unsicherheit und irgendwann mit Misstrauen.

Gerade jetzt halte ich das für gefährlich, denn Unternehmen befinden sich gleichzeitig unter wirtschaftlichem Druck, müssen Strukturen verändern, Kosten hinterfragen und herausfinden, was KI für ihre Geschäftsmodelle und ihre Mitarbeiter bedeutet.

In solchen Zeiten braucht es aus meiner Sicht wieder mehr erkennbare Führung.

Damit meine ich ausdrücklich nicht mehr Hierarchie oder Mikromanagement.

Im Gegenteil.

Wir brauchen Entscheider, die sagen können:

Das ist unser Ziel.
Das ist der Weg, den wir einschlagen.
Das sind die Gründe dafür.
Das sind die Grenzen.
Und innerhalb dieses Rahmens vertraue ich euch, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Denn klare Führung und Entscheidungsfreiheit sind keine Gegensätze.

Ein interessantes Gegenbeispiel liefert adidas.

Nach seinem Amtsantritt setzte CEO Bjørn Gulden unter anderem darauf, komplizierte Prozesse abzubauen und Mitarbeiter zu befähigen, Entscheidungen schneller zu treffen. adidas beschreibt diesen Ansatz selbst als „Empowerment“ der Mitarbeiter, um schneller entscheiden und auf Marktveränderungen reagieren zu können.

Das Entscheidende daran ist für mich nicht, dass plötzlich jeder alles entscheiden darf.

Es ist der Rahmen, der wichtig wird!

Führung muss Richtung geben. Kommunikation muss diese Richtung verständlich machen. Und erst dann kann Verantwortung sinnvoll dezentralisiert werden.

Genau deshalb halte ich Kommunikation heute für eine der wichtigsten Führungsaufgaben überhaupt.

Und zwar nach innen und nach außen.

Denn die Zeiten, in denen Unternehmenskommunikation eine Entscheidung erst dann übernahm, wenn diese bereits gefallen war, sollten eigentlich vorbei sein.

Kommunikation gehört an den Anfang.

Was bedeutet eine Entscheidung für Mitarbeiter? Wie wird sie von Kunden verstanden? Was hören Medien daraus? Was bedeutet sie für Politik, Partner oder Investoren? Und stimmen diese Botschaften überhaupt miteinander überein?

Das ist keine Frage schöner Formulierungen.

Das ist Stakeholder Management. Das ist Strategie. Und letztlich ist es Führung.

Vielleicht müssen wir deshalb auch aufhören, gute Kommunikation daran zu messen, wie viel kommuniziert wurde.

Die bessere Frage lautet:

Haben die Menschen verstanden, wohin wir wollen – und vertrauen sie denjenigen, die sie dorthin führen sollen?

Denn wo Führung nicht kommuniziert, beginnt die Organisation zu interpretieren.

Und Interpretation ist ein ziemlich schlechter Ersatz für Orientierung.

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