Kurz vor der Sommerpause war ich auf einigen Sommerfesten und Veranstaltungen – bei Verbänden, Unternehmen, in Ministerien und in ganz unterschiedlichen Gesprächsrunden.
Viele Begegnungen, viele Gespräche, viele Themen.
Aber eines kam erstaunlich oft zur Sprache: Vertrauen.
Genauer gesagt das „fehlende“ Vertrauen: in die deutsche Wirtschaft, in die Politik, in „die Medien“, aber auch – und das war für mich besonders interessant – in das eigene Unternehmen und vor allem in Entscheidungen auf C-Level.
Das hat mich beschäftigt.
Natürlich muss ein Mitarbeiter nicht jede Entscheidung der Unternehmensführung gut finden oder vollständig nachvollziehen können.
Aber was passiert, wenn nicht einzelne Entscheidungen infrage stehen, sondern das grundsätzliche Vertrauen verloren geht?
Was macht das mit den Menschen? Und was macht es mit einem Unternehmen?
Die Folgen beginnen vermutlich ziemlich unspektakulär.
Man macht seine Arbeit, erfüllt seine Aufgaben, hält Deadlines ein und liefert Ergebnisse.
Aber vielleicht stellt man irgendwann weniger Fragen. Bringt eine Idee nicht mehr ein. Stößt weniger selbst an. Übernimmt keine zusätzliche Verantwortung mehr, weil man sich fragt: Wofür eigentlich?
Und irgendwann wird aus einem Beruf vielleicht tatsächlich nur noch ein Job.
Dabei leben Unternehmen von Menschen, die mitdenken, widersprechen, Ideen entwickeln, Verantwortung übernehmen, Kontakte herstellen und Neues aufbauen.
Aber kann man all das erwarten, wenn das Vertrauen fehlt?
Und damit komme ich zu einer größeren Frage:
Wir diskutieren viel darüber, warum es unserer Wirtschaft an Dynamik fehlt: Bürokratie, Kosten, Fachkräftemangel, Regulierung, Digitalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Alles wichtige Themen.
Aber könnte es einen Faktor geben, über den wir zu wenig sprechen?
Was passiert mit einer Wirtschaft, wenn in vielen Unternehmen gleichzeitig Menschen innerlich einen Schritt zurücktreten?
Wenn weniger ausprobiert, weniger Verantwortung übernommen und weniger aufgebaut wird?
Nicht weil die Menschen es nicht könnten – sondern weil sie nicht mehr daran glauben, dass ihr Engagement etwas bewirkt.
Natürlich wäre es viel zu einfach, darin eine Erklärung für unsere wirtschaftlichen Probleme zu sehen. Aber vielleicht unterschätzen wir den Faktor Vertrauen.
Und genau hier beginnt für mich die Aufgabe guter Kommunikation.
Kommunikation bedeutet nicht nur, Entscheidungen zu verkünden. Sie bedeutet, sie zu erklären, Zusammenhänge herzustellen, zuzuhören, Widerspruch auszuhalten und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Denn ein Kommunikationsvakuum bleibt selten lange leer:
Wo Informationen fehlen, entstehen Vermutungen.
Wo Erklärungen fehlen, entsteht Flurfunk.
Wo Glaubwürdigkeit fehlt, entsteht Distanz.
Vertrauen ist für mich deshalb keine Feelgood-Kategorie. Vertrauen ist Infrastruktur.
Netzwerke funktionieren über Vertrauen.
Kommunikation funktioniert über Vertrauen.
Führung funktioniert über Vertrauen.
Vielleicht sollten wir uns deshalb in Unternehmen häufiger nicht nur fragen:
„Haben unsere Mitarbeiter verstanden, was wir entschieden haben?“
Sondern:
„Vertrauen sie uns noch genug, um diesen Weg mitzugehen?“
Mich würde interessieren, wie Sie das erleben:
Wie wichtig ist Vertrauen in die eigene Unternehmensführung für die persönliche Motivation? Und was passiert, wenn dieses Vertrauen verloren geht?
